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Heft 1/2000
Robert Casas, Wilfried Endlicher, Robert Michelena und Martin Naumann:
Prozesse der Bodendegradation in der argentinischen Pampa
Neben den Eingriffen des Menschen in das Klima und der fortschreitenden Zerstörung der Tropenwälder dürfte die Degradation der Böden durch inadäquate Nutzung zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit zählen (Heine
1994, Hurni 1996). Die Komplexität der ablaufenden Prozesse und die Auswirkungen nicht nachhaltiger Landnutzung für den gesamten Landschaftshaushalt legen bei wissenschaftlichen Untersuchungen einen geoökologischen
Forschungsansatz nahe (Endlicher 1988, Leser 1989 u. 1991). Die angewandten Quantifizierungsmethoden haben dabei eine kontinuierliche Verbesserung erfahren (Bork et al. 1993, Mosimann 1995, Herweg 1996). Das
Augenmerk zahlreicher internationaler Programme, die etwa von UNEP oder FAO initiert und gefördert werden, richtet sich aber meist auf marginale Regionen mit semiaridem Klima, beispielsweise den Sahel oder
Ostpatagonien. In den äußeren Tropen und den Winterregen-Subtropen sind Landschaftsschäden wie Grabenreißen oder gar Zerschluchtung auch sehr augenfällig. Dagegen scheinen die Probleme der Bodendegradation und
Bodenerosion in den agrarischen Gunstgebieten der Erde - den amerikanischen Prärien, den Steppen der Ukraine oder den Börden Mitteleuropas - nicht so evident, da die geringe Reliefierung, das humide Klima und die
tiefgründigen Böden nicht nur optimale Nutzungsvoraussetzungen, sondern auch große Erosionsresistenz zu bieten scheinen. Bei einer genaueren Betrachtung stellt sich dies aber als gefährlicher Trugschluß heraus.
Gefährlich deswegen, weil diese orographischen, edaphischen und klimatischen Gunstgebiete die ‘Kornkammern’ der Erde sind. Schleichende Degradation und möglicherweise irreversible Erosion haben
schließlich lang- oder mittelfristig direkte Auswirkungen für die Welternährung (Ehlers 1983, Bohle und Krüger 1992).
Zusammenfassung: Prozesse der Bodendegradation in der argentinischen Pampa
Die Agrarproduktion im ökologischen Gunstraum der argentinischen Pampa wird zunehmend durch Prozesse der physikalischen und chemischen Bodenerosion beeinträchtigt. Die hierfür in den unterschiedlichen
Teillandschaften der Pampa ausschlaggebenden klimatischen und edaphischen Faktoren, z. B. Starkregen in der Hügelpampa im Nordosten und hohe Windgeschwindigkeiten in der Trockenpampa im Westen, werden dargelegt.
Anthropogene Einflußgrößen wie Pachtwesen, Betriebsgrößen und Anbau von Hochertragssorten bei mangelnden Erosionsschutzmaßnahmen werden diskutiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Summary: Processes of soil degradation in the argentine Pampa
The agricultural production in the ecologically favoured region of the argentine Pampa is en-creasingly handicaped by physical and chemical soil erosion. The climatic and edaphic factors of the degradation processes
in the different subregions of the argentine Pampa, as heavy rain in the hilly Pampa in the northeast and high windspeed in the dry Pampa in the west, are explained. Landuse factors like land leasing, farm sizes,
missing soil conservation practices and unlimited growth of high yielding varieties are discussed and possible solutions pointed out.
Résumé: Processus degradation du sol dans la Pampa argentine
La production agricole dans la région, écolo-giquement favorisée, de la Pampa argentine, est de plus en plus restreinte par l’ érosion physique et chimique du sol. Les facteurs climatiques et pédo-logiques des
processus de dégradation dans les dif-férentes subrégions de la Pampa argentine, p. ex. les fortes pluies dans la Pampa ondulée au nord-est et la vitesse du vent élevée dans la Pampa sèche à l'ouest sont
expliqués. Des facteurs économiques, comme le système de bail, la taille des exploitations agricoles et la conservation du sol insuffisante, sont aussi considérées et des solutions possibles sont suggérées.
Ing. agr. Roberto Casas und Ing. agr. Roberto Michelena, Instituto Nacional de Tecnología Agropecuaria (INTA), Instituto de Suelos, Villa Udaondo, 1712 Castelar, Argentinien
Prof. Dr. Wilfried Endlicher, Geographisches Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, D-10099 Berlin
Dr. Martin Naumann, Universidad Nacional del Comahue, Depto. de Biología, Casilla de Correo 1336, 8400 San Carlos de Bariloche, Argentinien
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