DIE ERDE
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde

DIE ERDE 139. Jahrgang (2008)

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Heft 1-2: Fog Research
Heft 3: Globalisation and Fragmentation
Heft 4: Reurbanisation

erdecover2008-1-2-66Heft 1-2: Fog Research
(published September 2008)

Dieses Heft von DIE ERDE widmet sich einem hochinteressanten, dabei durchaus vernachlässigten Thema im Überschneidungsbereich von Meteorologie, Hydrologie, Vegetationsgeographie und Landnutzung: dem Phänomen des Nebels.

Werner Eugster, Wissenschaftler an der ETH Zürich und Mitherausgeber von DIE ERDE, hat aus der Konferenz des globalen Netzwerks der Nebelforscher/-innen, die im Juli 2007 im chilenischen La Serena stattfand, mehrere Beiträge ausgewählt und sie zu Aufsätzen für DIE ERDE ausarbeiten lassen. Werner Eugster liefert in seinem einführenden Editorial auch eine Definition und eine Typisierung für Nebel sowie grundsätzliche Ausführungen zur Relevanz der Nebelforschung.

Der Berliner Chemiker Detlef Möller hat sich intensiv mit der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung von Nebel, Tau und Regen beschäftigt; sein Beitrag ist die erste zusammenfassende Darstellung der Wissenschaftsgeschichte zu diesem Thema und überrascht mit Einblicken in Wege und Irrwege der Erforschung des Wassers in der Atmosphäre.

Dr. Fernando García-García und Victor Zarraluqui vom Zentrum für Atmosphärische Wissenschaften der Universidad Nacional Autonoma de Mexico haben auf der Basis von Daten von 3300 Klimastationen in Mexiko über einen Zeitraum von 30 Jahren Karten zu Nebelvorkommen und -häufigkeiten in Mexiko entwickelt, um auf diese Weise die räumliche und zeitliche Variabilität des Auftretens von Nebel zu analysieren und darzustellen. Sie berichten außerdem über die Probleme mit Nebel am Flughafen von Mexico City; seine Lage in einem Feuchtgebiet innerhalb eines Beckens ist dabei durchaus typisch für viele Großstadtflughäfen der Welt.

Über das Auftreten von Nebel und Sprühregen in einer Megacity arbeiten auch Fábio Gonçalves und seine Kollegen/innen an der Universität von São Paulo. São Paulo, die größte Megacity auf der Südhalbkugel, ist ebenfalls häufig von Nebel betroffen, was Nachteile für Verkehr und Wirtschaft mit sich bringt; dabei hat allerdings die Nebelhäufigkeit in den letzten 70 Jahren abgenommen, was die Autoren in ihrer multivariaten Analyse mit höheren Wassertemperaturen des benachbarten Südatlantiks erklären.

Im Gegensatz zu den Megacity-Studien befassen sich Sonia Montecinos aus La Serena, Chile, und ihre Mitautoren mit dem Einfluss landwirtschaftlicher Nutzung (kultivierter Bewässerungsflächen) auf Lokalklima und erhöhte Nebelbildung in einem ländlichen Raum im ariden Nordchile.

In vielen (semi-)ariden Gebieten der Welt wird mittlerweile versucht, Nebelwasser durch spezielle Sammelschirme aufzufangen und einer Nutzung zuzuführen. Eine für Marokko dazu angestellte Potenzialanalyse präsentieren Viktoria Marzol und José Luís Sánchez Megía aus Santa Cruz de Tenerife. José M. Molina (Fort Collins) und Concepción M. Escobar untersuchen in ähnlicher Weise die räumliche und zeitliche Variabilität des Sammelerfolgs von Nebelsammlern in einem Untersuchungsgebiet in den südlichen Anden Kolumbiens.

Der Beitrag von Gerhard Gerold aus Göttingen und seinen Mitautoren hängt nicht mit den Arbeiten der internationalen Forschergruppen zu „Nebel“ zusammen, passt jedoch mit seinem Untersuchungsgegenstand genau zum Thema: Es geht um die Wasserversorgung in tropischen Bergregen- und -nebelwäldern in den bolivianischen Yungas. Dabei stellt sich heraus, dass eine klare Grenze zwischen Regen- und Nebelwald nicht gezogen werden kann und auch im Nebelwald der Regen das meiste Wasser für die Vegetation bringt.

 

erdecover2008-1-2-66Heft 3: Globalisation and Fragmentation 
(published December 2008)

Diese Ausgabe von DIE ERDE beschäftigt sich mit Fragen der Entwicklungs- und Entwicklungsländerforschung in der Geographie. Die wesentlichen Schlüsselbegriffe der aktuellen entwicklungstheoretischen und -politischen Diskussion werden dabei thematisiert und auf spezifische Untersuchungsräume angewandt: Globalisierung, Fragmentierung, Governance, Vulnerability.

Vorangestellt ist ein Beitrag des Berliner Entwicklungsexperten Theo Rauch, der viel mit konkreter Entwicklungszusammenarbeit zu tun hat. Sein Aufsatz „Globalisation, Fragmentation and Aid – Can Germany’s Global Structural Policy Help Losers Win?” greift die aktuelle entwicklungspolitische Debatte auf und unterzieht die deutsche Strategie einer „globalen Strukturpolitik“ in der Entwicklungszusammenarbeit einer eingehenden Analyse.

Mittlerweile wieder in Berlin, am Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität, arbeitet Dörte Segebart, nachdem sie für ihre Promotion nach Tübingen gegangen war. Sie setzt sich mit dem Begriff der „Governance“ im Kontext fragmentierter bzw. auch fragmentierender Entwicklung auseinander und zeigt, wie man diesen Ansatz auf Entwicklungsprozesse in Amazonien anwenden kann.

Elvira Graner hat langjährige Forschungserfahrung in Nepal gesammelt und erst kürzlich über Entwicklungsprobleme dieses Landes, eines der ärmsten der Erde, ihre Habilitationsarbeit erstellt. Ihr Beitrag bringt wesentliche Kernaussagen aus dieser Arbeit, die sich vor allem auf  Binnenwanderungsprozesse im Zusammenhang mit dem Auf und Ab der nepalesischen Teppichindustrie und mit der Arbeitsmigration nach Südostasien und in die Golfstaaten beziehen.

Eine ganze Reihe von (oft interdisziplinären) Forscherteams arbeitet gegenwärtig im Rahmen von großen Programmen der DFG und des Bundesforschungsministeriums zu Fragen der Entwicklung von Megacitys weltweit. Eine der wichtigen untersuchten Mega -Agglomerationen ist das chinesische Perlflussdelta, jener Raum, zu dem auch Hong Kong gehört. Ihn kennzeichnen ein enormes Bevölkerungswachstum, aber auch ein spektakuläres Wirtschaftswachstum. Eine Forschergruppe aus Kiel und Aachen um den Kieler Geographen Rainer Wehrhahn widmet sich dabei dem stadtstrukturellen Wandel, der raschen Überprägung des Siedlungsgefüges und den oft problematischen Folgen für Einwohner und für die Umwelt, am Beispiel eines historisch gewachsenen Stadtbereichs der Stadt Guangzhou. Ein anderes Team, besetzt mit Wirtschaftsgeographen unter Leitung von Javier Revilla Diez aus Hannover, beschreibt unter dem Stichwort „agile Unternehmensorganisation“ einen wesentlichen Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg dieses Raumes, der in einer intelligenten und flexiblen Arbeitsteilung zwischen Produktionsplanungs- und Marketingeinheiten in Hong Kong und in den übrigen tertiärisierten Innenstädten einerseits und den dezentral verteilten (kleineren) Produktionsbetrieben im suburbanen Raum und darüber hinaus besteht.

 

erdecover2008-1-2-66Heft 4: Reurbanisation
(published March 2009)