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DIE ERDE Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde
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Heft 2/1999: Physisch-Geographische Forschungen in der Mongolei
Vorwort: Physisch-Geographische Forschungen in der Mongolei
Grunert, Jörg, Michael Klein, Max Stumböck und Mr. Dasch:
Bodenentwicklung auf Altdünen im Uvs Nuur Becken / Soil Development on fixed dunes in the Uvs Nuur basin / Evolution des sols à la surface des dunes anciennes dans la cuvette d’Uvs Nuur (Zusammenfassung/summary/résumé)
Naumann, Stephan:
Spät- und postglaziale Landschaftsentwicklung im Bajan Nuur Seebecken (Nordwestmongolei) / Late- and postglacial landscape evolution in the Bayan Nuur lake basin (northwestern Mongolia) / L´évolution du paysage au centre du bassin Uvs Nuur (situé au nord-ouest de la Mongolie) pendant la période ante- et postglaciaire (Zusammenfassung/summary/résumé)
Walther, Michael:
Befunde zur jungquartären Klimaentwicklung rekonstruiert am Beispiel der Seespiegelstände des Uvs Nuur-Beckens (NW-Mongolei). / Late Quaternery climatic development, reconstructed from lake levels in the Uvs Nuur basin (NW, Mongolia) / Reconstitution des événements climatiques du quaternaire récent sur la base de l´étude des niveaux d´eau du Bassin de Uvs Nuur (Mongolie du Nord-Ouest) (Zusammenfassung/summary/résumé)
Lehmkuhl, Frank:
Rezente und jungpleistozäne Formungs-und Prozeßregionen im Turgen-Kharkhiraa, Mongolischer Altai. Modern and Pleistocene geomorphic regions in the Turgen- Kharikhira Mountains Mongolian Altay / Les zones géomorpho- logiques actuelles et pléistocènes dans les montagnes de Turgen-Kharkhiraa, Mongol Altaï (Zusammenfassung/summary/résumé)
Sommer, Martin und Uwe Treter:
Die Lärchenwälder der Gebirgswaldsteppe in den Randgebieten des Uvs Nuur- Beckens. / Larch forests of the woodland steppe in the mountains bordering the Uvs Nuur basin / Les forêts de mélèzes de la steppe boisée montagneuse dans les montagnes limitrophes du basin d´Uvs Nuur (Zusammenfassung/summary/résumé)
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Vorwort
Physisch-geographische Forschungen in der Mongolei
Nach dem Zusammenbruch und der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion begann seit 1990 auch in der Mongolei, die als Mongolische Volksrepublik bis dahin politisch und wirtschaftlich eng mit der
Sowjetunion verbunden war, eine Öffnung zum Westen hin. Dadurch ergab sich nach vielen Jahrzehnten der ‘Unzugänglichkeit’ auch für westliche Wissenschaftler wieder die Möglichkeit, in der
Mongolei forschend tätig zu werden. Diese Chance nutzend etablierte sich 1993 zunächst unter der Federführung von Prof. Dr. G. Haase, Leipzig, eine Gruppe von Geo- und Biowissenschaftlern von
mehreren deutschen Universitäten, um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt in der Mongolei vorzubereiten. Als Untersuchungsgebiet wurde das im Nordwesten der Mongolei gelegene Uvs Nuur-Becken
ausgewählt (Fig. 1). Dafür waren folgende Gründe maßgebend: - Das Uvs Nuur-Becken ist ein allseits von Gebirgen umgebenes abflußloses Becken, an dessen tiefster Stelle der namengebende Salzsee Uvs
Nuur liegt. Alle Stoffflüsse sind daher auf das Zentrum dieses Beckens hin ausgerichtet. - Das Untersuchungsge- biet gehört zum nördlichsten Teil des Altai Faltengebirgssystem und ist durch
kanäozoische Verfüllungen der Becken und anhaltende junge Tektonik gekennzeichnet. Bei den Verfüllungen dominieren im Uvs Nuur-Becken die für Zentralasien typischen, zeitgespannten und zumeist
mehrphasigen Fußflächenschüttungen. Die junge Tektonik äußert sich in zahlreichen Störungen, Flexuren und Lineamenten, die Hangversteilungen, Bruchstufen, Gräben, Gefällsstufen der Flüsse und junge
abflußlose Becken zur Folge haben. Erdbeben mit einer Stärke von > 7 auf der Richterskala verursachten in diesem Jahrhundert Geländestufen bis > 1 m. Diese jungen Reliefformungen sind bei allen
landschaftsgeschicht- lichen und landschaftsökologischen Analysen zu berücksichtigen. Eine Bestandsaufnahme der Geologie und Tektonik zeigt die Figur 2. - Die herausragende und einmalige Besonderheit
dieses Landschaftsraumes besteht darin, daß hier auf einer Entfernung von weniger als 100 km vom Salzsee Uvs Nuur bis in die höchsten Gipfelregionen der umrahmenden Gebirge Landschaftszonen und
Vegetationfsformationen angeordnet sind, die sich im benachbarten Sibirien auf mehrere 1000 km erstrecken. Den Salzsee Uvs Nuur in 750 m Höhe umgeben in den tieferen Lagen des Beckens die Wüsten,
Halbwüsten und Steppen, denen in der unteren Gebirgsstufe die Bergsteppe und Gebirgswaldsteppe und in der mittleren Gebirgsstufe die Taiga und die alpinen Rasenformationen folgen. Darüber schließt
sich im Bereich der bis 4000 m hohen Gebirgsgipfel die Frostschutt- und Gletscherstufe an - Zum Planungszeitpunkt liefen von russischer und mongolischer Seite Vorbereitungen, das Uvs Nuur-Becken als
Biosphärenreservat durch die UNESCO ausweisen und anerkennen zu lassen, was inzwischen erfolgt ist. Die deutschen Forschungen wollen in enger Zusammenarbeit mit den einheimischen Wissenschaftlern
dazu beitragen, den bisherigen Kenntnisstand über die Ausstattung, die Prozesse und das Nutzungspotential dieses Gebietes wesentlich zu ergänzen und zu erweitern. Unter dem Rahmenthema
‘Paläogeographische und biosphärische Bedingungen der Landschaftsentwicklung im Uvs Nuur-Becken, Mongolei’ werden seit 1995 insgesamt 11 Forschungsprojekte von der deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) im gebündelten Normalverfahren gefördert. Die Forschungsschwerpunkte der einzelnen Projekte lassen sich folgenden thematischen Komplexen zuordnen: -Landschaftsentwicklung
und Paläoklima, - geomorphologische Formen und Prozesse, - Zustand und Dynamik der Vegetation der Steppen und Wälder, - Typisierung und Genese der Böden sowie Erfassung der Bodendegradation, -
Geländeklimatologie und Klimamodellierung, - Limnologie der Seen und Flüsse, - Fernerkundung zur Kennzeichnung des Landschaftszustandes und der Landschaftsdynamik. Dem Rahmenthema des
interdisziplinären Forschungsprojektes entsprechend sind die in den Einzelprojekten erarbeiteten Ergebnisse durch folgende übergeordneten Ziele verbunden: - die Aufklärung der Landschaftsentwicklung
seit dem jüngeren Pleistozän und der rezenten Landschaftsdynamik des Uvs Nuur-Beckens- und seiner angrenzenden Gebiete, - die Erfassung und Inventarisierung der substantiellen Bestandteile und
Prozesse von Ökosystemen und Landschaftsteilen, - die Erfassung und Kennzeichnung von Singularitäten und Regelhaftigkeiten ihrer räumlichen Anordnung und Verbreitung, - die Erfassung und Bewertung
nutzungsbedingter Veränderungen von Ökosystemen und Landschaftsteilen, - die Entwicklung von Nutzungs- und Schutzkonzepten zur Sicherung der natürlichen Ressourcen als Wirtschaftsgrundlage der
nomadischen Bevölkerung in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen, die sich aus der Einrichtung als Biosphärenreservat ergeben. Zu diesen Zielsetzungen tragen alle am Gesamtprojekt beteiligten
Forschergruppen mit ihren z.T. sehr spezifischen Fragestellungen und Forschungsansätzen in unterschiedlichem Umfang bei. Nach Abschluß der letzten Feldarbeiten im Jahr 1999 und der Auswertungen der
umfangreichen Materialien und Daten wird das Ziel und die Aufgabe sein, die in den einzelnen Projekten gewonnenen Teilergebnisse im Sinne der übergeordneten Zielsetzungen in einer Monographie des
einzigartigen Naturraumes Uvs Nuur-Becken zusammenzufassen. Einen ersten Schritt dahin stellen die Beiträge dar, die im vorliegenden Heft ausgewählte Ergebnisse aus den Projekten der Forschergruppen
Grunert (Mainz), Lehmkuhl (Göttingen), Treter (Erlangen) und Walther (Berlin) präsentieren. Diese Beiträge lassen sich einigen der zuvor genannten allgmeinen Zielsetzungen zuordnen und sind
verschieden eng miteinander verknüpft. In den Beiträgen von Grunert et al., Nauman und Walther werden verschiedene Aspekte und Ergebnisse zur pleistozänen und holozänen Landschaftsentwicklung des
zentralen Beckengebietes mit den Seen Uvs Nuur und Bayan Nuur sowie dem großen Dünengebiet Böröög Deliyn Els (auch Altan Els genannt) östlich des Uvs Nuur dargelegt und diskutiert. Auf der Grundlage
der jeweils spezifischen Geländebefunde und Laboranalysen ergibt sich ein Gesamtbild der Landschaftsentwicklung. Sie ist durch verschiedene paläoklimatische Trocken- und Feuchtphasen geprägt und kann
mit geomorphologisch und pedogenetisch wirksamen Phasen verknüpft werden. Von besonderer Bedeutung auch für weitere Aspekte der Landschaftsentwicklung ist der nachgewiesene Zusammenhang zwischen den
paläoklimatischen Verhältnissen, den Seespiegelschwankungen und den Dünenbildungen. Die im Beitrag Grunert et al. Aufgezeigten Bodenbildungen im großen Dünenfeld sind darüber hinaus ein Mosaikstein,
der zu einem späteren Zeitpunkt der allgemeinen Charakterisierung der Pedogenese im gesamten Uvs Nuur-Becken beigefügt werden kann. Der Beitrag Lehmkuhl befaßt sich ebenfalls mit der
Landschaftsentwicklung, hat jedoch seinen Schwerpunkt in der Darstellung des hypsometrischen Formenwandels am Beispiel des Turgen-Kharkhiraa-Gebirgskomplexes und seiner Randgebirge am Südwestrand des
Uvs Nuur-Beckens. Die Höhenstufen werden durch die rezent vorherrschenden geomorphologischen Prozesse charakterisiert und ihre raum-zeitlichen Verlagerungen zum Höhepunkt der letzten Kaltzeit
vergleichend diskutiert. Die besondere Stellung des Untersuchungsgebietes im hochkontinentalen Zentralasien wird anhand eines Latitudinalprofils von den Alpen bis Zentralasien herausgestellt. Mit der
Darlegung der rezenten und jungpleistozänen Prozesse, Formen und resultierenden Decksedimenten ergeben sich zahlreiche Schnittstellen und Verzahnungen z.B. mit vegetations- und bodenkundlichen
Aspekten der Naturraumausstattung, die in anderen Forschergruppen erarbeitet werden. Der Beitrag Sommer und Treter beschreibt den Zustand der Lärchenwälder in der Gebirgswaldsteppe der Gebirge am
Rande des Uvs Nuur-Beckens und ist zunächst der Zielsetzung einer umfassenden Inventarisierung zuzuordnen. Aus den nach ihrer Struktur definierten Bestandstypen lassen sich Rückschlüsse auf die
Bestandsentwicklung und die ihnen zugrundeliegenden Prozesse und Einflüsse ziehen. Natürliche Bestandsdegradation, Feuer und Beweidung werden als die entscheidenden Regulationsmechanismen
herausgestellt. Eine hochauflösende Vegetationsanalyse erlaubt die Ausweisung von Pflanzengesellschaften, mit deren ökologischen Zeigereigenschaften Standortunterschiede charakterisiert und die
Beziehungen zu den umgebenden Steppenformationen hergestellt werden. Durch die Verzahnung dieser und weiterer Aspekte einer komplexen Vegetationsanalyse mit z.B. (hier noch nicht referierten)
klimatologischen, bodenkundlichen und morphodynamischen Untersuchungsergebnissen ergibt sich die Möglichkeit einer umfassenden Kennzeichnung eines für das Untersuchungsgebiet charakteristischen
Landschaftselements. Die Beiträge im vorliegenden Heft stellen zunächst jeder für sich Ergebnisse aus einem spezifischen Forschungsprojekt dar. Obwohl die umfangreichen Beobachtungen und Daten noch
nicht abschließend ausgewertet sind, wird mehr oder weniger deutlich erkennbar, daß vielfältige Verzahnungen zwischen diesen Projekten und Forschungsansätzen bestehen, und daß ein großen
Erkenntnispotential in einer weiterführenden Verknüpfung aller Teilergebnisse liegt.
Danksagungen:
Im Jahr 1994 begannen die ersten vier Forschungsgruppen ihre Geländearbeiten in der Mongolei. Sie wurden maßgeblich unterstützt durch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Prof. Dr. sc.
Dordschgotow, dem Vizedirektor des Instituts für Geoökologie der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, Ulaanbaatar. Sowohl an der Vorbereitung als auch an der Durchführung der Geländekampagnen
waren darüber hinaus viele Wissenschaftler und Mitarbeiter der Mongolischen Akademie der Wissenschaften beteiligt. Ohne ihr Fachwissen, ihre Lokalkenntnisse sowie ihre logistische Unterstützung
hätten die Geländearbeiten nicht so erfolgreich durchgeführt werden können. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle für ihre Mitarbeit und Hilfe gedankt. Durch einen im Jahr 1996 unterzeichneten
Kooperationsvertrag zwischen der Mongolischen Akademie der Wissenschaften und der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin wurde diese Zusammenarbeit auf eine offizielle und damit auch tragfähigere
Grundlage gestellt. Der Gesellschaft für Erdkunde sei dafür herzlich gedankt, da erst dieser Vertrag die Fortführung der Arbeiten in den nachfolgenden Jahren möglich machte. Schließlich möchte ich im
Namen aller beteiligten Forschergruppen der DFG für die umfangreiche finanzielle Förderung ganz herzlich danken.
Uwe Treter (Erlangen)
Sprecher der Mongolei-Projektgruppen
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DIE ERDE 130 1999 S. 97 - 115 Regionaler Beitrag
Trockengebiete - Landschaftsgenese - Paläoklimaforschung
Jörg Grunert, Michael Klein, Max Stumböck (Mainz) und Mr. Dasch (Ulaan Baatar)
Bodenentwicklung auf Altdünen im Uvs Nuur Becken
Soil development on fixed dunes in the Uvs Nuur basin
Mit 9 Figuren
Die vorliegende Abhandlung ist ein Beitrag zur Erforschung der Landschaftsgenese in Trockengebieten, hier der klimatisch extremen Steppenzone Zentralasiens. Sie ist gleichzeitig ein Beitrag zur
Paläoklimaforschung, die gerade in Hochasien (Tibet) seit Jahren intensiv betrieben wird. Regional betrachtet sind die Untersuchungen über die Genese eines großen Dünenfeldes Teil des von der DFG geförderten
Verbundprojektes Uvs Nuur, dessen Ziel darin besteht, die geographisch-ökologische Entwicklung eines hochkontinentalen Binnenbeckens aufzuklären und die wichtigsten Stoff-Flüsse zu bestimmen. Die vielfältigen
Geländearbeiten sind übergreifend bzw. vernetzt angelegt, um auf diese Weise Synergieeffekte zu erzielen. Böden dienen, im konkreten Fall, hauptsächlich als Klimaindikatoren, mit deren Hilfe sich Dünen
unterschiedlichen Alters und damit unterschiedlichen Verwitterungsgrades voneinander trennen lassen. Die wichtigsten Bodenkennwerte wurden im Labor bestimmt. Zusätzliche Pollenanalysen aus einigen Bodenprofilen
erlauben Rückschlüsse auf die vorzeitliche Vegetation und die damals herrschenden Klimabedingungen.
Zusammenfassung: Bodenentwicklung auf Altdünen im Uvs Nuur Becken
Das große Dünenfeld östlich des Sees Uvs Nuur erstreckt sich auf etwa 150 km in W-E-Richtung in Höhen zwischen 760 m am Seeufer und 1.450m am östlichen Ende bei Tes. Hier wird die untere Waldgrenze erreicht,
dokumentiert durch einen schütteren Bestand von Larix sibirica. Das Klima ist semiarid; die Jahresniederschläge steigen von W nach E von unter 150 mm auf über 200 mm an. Der weitaus größte Teil des Dünenfeldes
besteht aus Längsdünen, die WNW-ESE-orientiert sind. Sie tragen einen gut entwickelten Kastanosem und eine dichte Steppenvegetation und werden als Altdünen bzw. Dünen der 1. Generation bezeichnet. Entstanden
sind sie im Hoch- und Spätglazial (ca. 20.000 - 13.000 BP) unter sehr trockenen Klimabedingungen. Letztmalig Aktiv waren sie um 10.000 BP (s. O.S.L.-Datierungen). Außerdem kommen gebietsweise Parabeldünen vor
(2. Dünengeneration); aktive Barchane (3. Dünengeneration) sind nur von lokaler Bedeutung. Die Parabeldünen besitzen ein jungholozänes Alter. Sie tragen einen schwach entwickelten Boden, der hier nicht
diskutiert wird. Vorgestellt werden drei Beispiele von Kastanosems aus dem Westteil, der Mitte und dem Ostteil des Dünenfeldes. Die Böden sind überwiegend aus Fein- und Mittelsand aufgebaut und besitzen einen
braunen, 20 - 40 cm mächtigen Ah-Horizont. Der Ton- und Schluffgehalt liegt unter 10 %; dennoch läßt sich dies als Ausdruck einer bescheidenen Tonmineralneubildung interpretieren. Die Profile aus dem Westteil
und der Mitte des Dünenfeldes zeigen eine deutliche Carbonatverlagerung; das dritte Profil ist carbonatfrei. Zwei wichtigeAussagen sind möglich: 1. Das Dünenfeld ist im wesentlichen aus Altdünen gleichen Alters
aufgebaut. 2. Der Sand stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Uvs Nuur-Seebecken (s. Schwermineralanalysen). Die durch höhere Seespiegel gut dokumentierten Feuchtzeiten des Holozäns hatten auf die Bodenentwicklung keinen großen Einfluß. Die Jahresniederschläge können daher nicht wesentlich über den heutigen gelegen haben.
Summary: Soil Development on fixed dunes in the Uvs Nuur basin
The large, some 150 km long and 30 km wide, W-E orientated dunefield east of Uvs Nuur is situated between 760 m on the shore of the lake and 1,450 m in the eastern part near Tes. Here, the lower timberline is
documented by sparsely growing trees of Larix sibirica. The climate is semiarid; the mean annual precipitation increases from less than 150 mm to more than 200 mm from W to E. The dunefield is predominantly
composed of WNW-ESE orientated longitudinal dunes. They are covered by a well-developed castanozem and by a dense steppe vegetation and are therefore called old dunes or first generation dunes. They have
developed under very dry climatic conditions during the High- and Late Glacial (about 20,000 - 13,000 BP). Final activity can be proved by O.S.L.-dating to 10,000 BP Some areas are covered by parabolic dunes
(second generation); only locally active barchans of the third generation occur. The parabolic dunes are of younger Holocene age. They are covered by an initial soil which is not discussed here. Three examples
of castanozems from the western, the central and the eastern part of the dunefield are presented. The soils are predominantly com-posed of the fine and middle sand fraction; their upper part has developed a
brown, 20- 40 cm thick Ah-horizon. The contents of clay and silt amount to less than 10 %; nevertheless, this can be interpreted as an indication of clay mineral formation. Carbonate migration can be seen in the
profiles of the western and central parts of the dunefield; the third profile is free of carbonate. The main results are as follows: 1. The dunefield is predominantly composed of fixed dunes of the same age. 2.
Probably, the sand originates from the Uvs Nuur lake basin (see heavy mineral analyses).The soil evolution during the Holocene has not been seriously influenced by pluvial periods which are well documented by
higher lake levels in the area. Therefore, mean annual precipitation is presumed to have been only slightly higher than today.
Résumé: Evolution des sols à la surface des dunes anciennes dans la cuvette d’Uvs Nuur
Le grand erg à l’est du lac Uvs Nuur s’étend sur 150 km d’ouest en est, d’une altitude de 760 m au bord du lac jusqu’à 1.450 m au partie orientale près de la ville de Tes. Ici, la
limite forestière inférieure est documentée par un nombre d’individus de Larix sibirica. Le climat est semi-aride; les précipitations annuelles montent d’ouest en est de moins de 150 mm à plus de 200
mm. La plus grande de l’erg est composée de dunes longitudinales, orientées ouest-nord-ouest à est-sud-est. Elles sont couvertes d’un castanozem bien développé et d’une végétation steppique
dense. A cause de cela elles sont qualifiées de dunes anciennes ou dunes de la 1. génération. Elles se sont développées sous l’influence d’un climat très aride vers la fin de la période glaciaire
(ca. 20.000 -13.000 B.P.). Leur activité finale est fixée par des datations O.S.L. à 10.000 B.P. A côté, il y a des terrains avec prédominance de dunes paraboliques (2. génération dunaire); les barchans vifs (3.
génération dunaire) sont d’une importance locale seulement. Les dunes paraboliques datent de l’époque de l’Holocène récent. Elles sont couvertes d’un sol initial qui ne sera pas discuté
ici. On présentera trois exemples de castanozems de la partie occidentale, centrale et orientale de l’erg. Les sols sont composés essentiellement des fractions de sable fin et moyen et leur horizon-Ah
marron est d’une épaisseur de 20 à 40 cm. Les fractions de l’argile de du limon ne dépassent pas 10 %. Pourtant, on peut interpréter cela comme expression d’une formation modeste des minéraux
argileux. Les profils de la partie occidentale et centrale de l’erg témoignent d’une migration des carbonates. L’analyse mène à deux conclusions principaux: 1. L’erg est composé
essentiellement de dunes du même âge. 2. Probablement, la cuvette du lac Uvs Nuur était la source du sable (d’après des analyses des minéraux lourds). L’évolution de sol n’a pas subi une forte
influence pendant les périodes pluviales de l’Holocène qui sont bien documentées par plusieurs transgressions des lacs de la région. Par conséquent, on peut supposer que les précipitations annuelles
n’étaient pas beaucoup plus haut qu’aujourd’hui.
Prof. Dr. Jörg Grunert, Dipl. Geogr. Michael Klein, P.D. Dr. Max Stumböck, Geographisches Institut der Universität Mainz, D-55099 Mainz
Mr. Dasch, Geoökologisches Institut der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, Ulaan Baatar
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DIE ERDE 130 1999 S. 117 - 130 Regionaler Beitrag
Limnite - Paläoklima - Vegetationsentwicklung
Stephan Naumann (Berlin)
Spät- und postglaziale Landschaftsentwicklung im Bajan Nuur Seebecken (Nordwestmongolei)
Late- and postglacial landscape evolution in the Bayan Nuur lake basin (northwestern Mongolia)
L’évolution du paysage au centre du bassin Uvs Nuur (situé au nord-ouest de la Mongolie) pendant la période ante- et postglaciaire
Mit 2 Figuren
Seespiegelschwankungen als Ausdruck paläoklimatischer Veränderungen stellen im Bereich der innerasiatischen intermontanen Becken ein wesentliches Mittel zur Rekonstruktion des Paläoenvironments dar. Die
geographische Lage der Mongolei im Wechselspiel zwischen autochthonen Beckenklimaten, dem Einfluß der monsunalen und der außertropisch zyklonalen Zirkulation unterstreicht die Bedeutung des Raumes für die
Rekonstruktion der paläoklimatischen Landschaftsentwicklung in Innerasien, verdeutlicht jedoch auch die Problematik einer einheitlichen Darstellung der Seengeschichte der Mongolei im letzten Spät- und
Postglazial zu der die vorliegende Veröffentlichung einen Beitrag geben soll.
Zusammenfassung: Spät- und postglaziale Landschaftsentwicklung im Bajan Nuur Seebecken (Nordwestmongolei)
Paläoklimatisch induzierte Seespiegelveränderungen im Spät- und Postglazial können für den zentral im Uvs Nuur Becken gelegenen Bajan Nuur See anhand von quartärgeologisch-interdisziplinären Untersuchungsmethoden
rekonstruiert werden. Im Anschluß an die Dünenbildungsphase des trocken kalten würmzeitlichen Hochglazials beginnt die Seebeckenentwicklung nachweislich um 13.200 conv. y.b.p. und setzt sich kontinuierlich fort.
Nach einem kurzfristigen Kälterückschlag (Jüngere Dryas) führen zunehmend feuchtere Verhältnisse im beginnenden Altholozän (10.000 7.000 y.b.p.) zu einem kurzfristigen Seespiegelanstieg. Die folgende
frühatlantische Regression wird vermutlich durch die Abflußbildung ausgelöst. Das Mittelholozän (7.000 4.000 y.b.p.) ist unter einer verstärkten Feuchtezunahme durch ein Seespiegelhochstand gekennzeichnet
(spätatlantisch - subboreale Transgression). Eine verstärkte äolische Dynamik verbunden mit einer Regression des Seespiegels charakterisiert die Entwicklung im jüngsten Holozän(2.500 - 0 y.b.p.) (subatlantische
Regression).
Summary: Late- and postglacial landscape evolution in the Bayan Nuur lake basin (northwestern Mongolia)
The use of geological prospecting techniques allowed us to reconstruct the palaeoclimatically induced lake level changes during the late- and postglacial period of Lake Bayan Nuur, which is located in the centre
of the Uvs Nuur Basin. The formation of dune fields during the dry and cold phase of the Last Glacial Maximum has followed by the development of the lake basin that started around 13,200 conv. y.b.p. and has
continued since then. After a short phase of cold conditions (Younger Dryas) humidity increased and led to a rise in lake level at the onset of the Early Holocene (10,000 - 7,000 y.b.p.). This transgression was
followed by a regression during the early Atlantic period, which was apparently triggered by outflow from the lake. Increased humidity during the Middle Holocene (7,000 - 4,000 y.b.p.) indicated a high lake
level at that time (late Atlantic - Sub-Boreal transgression). The Youngest Holocene (2,500 - 0 y.b.p.) development is characterized by enhanced aeolian activity and the shoaling of Lake
Bajan Nuur (Sub-Atlantic regression).
Résumé: L’évolution du paysage au centre du bassin Uvs Nuur (situé au nord-ouest de la Mongolie) pendant la période ante- et postglaciaire
L‘usage des techniques géologiques nous a permis de reconstruire les changements d‘origine paléoclimatologique du niveau marin du lac Bayant Nuur, situé au centre du bassin Uvs Nuur, pendant la
période ante- et postglaciaire. La formation du champ de dunes pendant la phase froide et sèche du dernier maximum de l‘époque glaciaire fut suivie d‘un développement du bassin de lac á partir de
13.200 conv. y.b.p. approximativement et est depuis ce temps-la en train de se continuer. Après une phase brève de conditions froides (Dryas Récent), l‘humidité s‘agrandit et aboutit á une montée du
niveau de lac á court terme au commencement de l’holocène ancien (10.000 - 7.000 y.b.p.). Cette transgression fut récente apparemment déclenchée par l‘écoulement du lac. L´augmentation de
l‘humidité pendant l’holocène moyen (7.000 -4.000 y.b.p.) désigne un niveau élevé du lac (transgression atlantique ancienne - sub-boréale). Le développement de l’holocène le plus récent (2.500
- 0 y.b.p.) est caractérisé par un dynamisme éolien élevé et un régression du niveau marin du lac Bayan Nuur (régression subatlantique).
Dipl.-Geogr. Stephan Naumann, Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin, Malteserstraße 74-100, D-12249 Berlin
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DIE ERDE 130 1999 S. 131 - 150 Regionaler Beitrag
Rekonstruktion des Paläoklimas - Landschaftsentwicklung - Seespiegelschwankungen
Michael Walther (Berlin)
Befunde zur jungquartären Klimaentwicklung rekonstruiert am Beispiel der Seespiegelstände des Uvs Nuur-Beckens (NW-Mongolei)
Herrn Prof. Dr. Fred Scholz zum 60. Geburtstag gewidmet
Late Quaternary climatic development, reconstructed from lake levels in the Uvs Nuur basin (NW, Mongolia)
Mit 9 Figuren
Im Rahmen physiogeographischer Forschungen wird mit den Arbeiten in der Mongolei das Gebiet der Paläolimnologie abgedeckt. Die sediment- und biostratigraphischen Arbeiten auf den Süß- und Salzwasserseen erfordern
methodisch zunächst einen hohen Transport- und Geräteaufwand. Es kommt ein Kernbohrgerät (ausgelegt bis 65 m Endteufe) zum Einsatz, das 55 mm und 80 mm dicke ungestörte Bohrkerne liefert. Die Arbeiten selbst
werden von einer 20 m 2 großen Bohrplattform aus durchgeführt. An dem Kernmaterial werden zunächst Sedimentstandards wie X-Karbonate, C org und eine Sedimentbeschreibung erstellt. Geochemische Analysen der
Nährstoffe und des weiteren Elementgehalts, Isotopenanalysen der Verteilung von O 16 / O 18 und röntgenographische Daten dienen zur Rekonstruktion des Paläoenvironment. Palynologische Analysen und die Verteilung
der Ostracoden runden die Arbeiten ab. In der Umgebung der Seen wird systematisch nach vorheriger Luft- und Satellitenbildauswertung nach lakustrinen Ablagerungen höherer Seespiegelstände gesucht und diese dann
tachymetrisch eingemessen.
Zusammenfassung: Befunde zur jungquartären Klimaentwicklung rekonstruiert am Beispiel der Seespiegelstände des Uvs Nuur-Beckens (NW-Mongolei)
Im Uvs Nuur-Becken werden drei unterschiedlich hohe Seespiegelstände übergeordneter Bedeutung beschrieben und chronostratigraphisch eingeordnet. Der älteste Seespiegel ist in der östlichen Umgebung des Bayan Nuur
(ca. 80 m über dem heutigen Seespiegel) in Form von Flachwasserlimniten und östlich des Uvs Nuur durch Tiefwasserpelite belegt und dürfte in einen Zeitraum vor das letzte Würmhochglazial (‘Last Glacial
Maximum’ = LGM) gehören. Der zweite Seespiegelhochstand kann am Uvs Nuur (Ostbucht) und am Bayan Nuur in das Würmspätglazial gestellt werden. Die dritten Seespiegelstände liegen im Boreal und Atlantikum
und sind durch Strandwälle in unmittelbarer Seenähe und in Kernbohrungen belegt. Geomorphologisch wirksame Phasen (Dünenbildung, fluviale Tiefenerosion, Fußflächenbildung, etc.) und Bodenbildungen können
paläoklimatisch mit den klimainduzierten Seespiegelhochständen verknüpft werden.
Summary: Late Quaternary climatic development, reconstructed from lake levels in the Uvs Nuur basin (NW, Mongolia)
In the Uvs Nuur basin three different lake levels of major significance are described and classified in terms of chronostratigraphy. Evidence confirming the oldest lake level is supplied by shallow-water
lacustrine deposits to the east of Bayan Nuur (about 80 m above the present lake level) and by deep-water pelitic sediments to the east of Uvs Nuur. This level probably dates to the period before the Last
Glacial Maximum (LGM). The second highstand, at the eastern bay of Uvs Nuur and at Bayan Nuur, belongs to the Wuermian Late Glacial. The third lake levels date to the Boreal and Atlantic periods and are
documented by shoreline ridges very close to the lake and by core samples. For purposes of palaeoclimatic reconstruction, phases of geomorphological activity (dune formation, deep fluvial
erosion, pediment development) and soil formation can be linked to the climate-induced high lake levels.
Résumé: Reconstitution des événements climatiques du quaternaire récent sur la base de l’étude des niveaux d’eau du Bassin de Uvs Nuur (Mongolie du Nord-Ouest)
Nous avons procédé à la description de trois niveaux d’eau différents dune importance prépondérante dans le lac du bassin de Uvs Nuur et les avons classifiées selon les lois de la chronostratigraphie. Le
niveau le plus ancien du lac est documenté par la présence de dépôts lacustres en eau peu profonde dans la région est du Bayan Nuur (à environ 80 m au-dessus du niveau actuel du lac) et par des sédiments
pélitiques d’eau profonde à l'est du Uvs Nuur. Ce niveau serait probablement antérieur au Würm Pléniglacial (Last Glacial Maximum - LGM): Le deuxième niveau des hautes eaux du lac du bassin de Uvs Nuur
(baie est) et de Bayan Nuur peut être attribué au Würm Tardiglaciaire. Les troisièmes niveaux d’eau datent des épisodes Boréal et Atlantique. La confirmation en est apportée par les résultats des
carottages et par la présence de crêtes prélittorales à proximité du lac. Afin de reconstituer les événements paléoclimatiques, on peut établir un rapport entre la formation de hauts niveaux du lac induits par
le climat et les phases d'activité géomorphologique telles que la formation de dunes et de pédiments., l'érosion fluviale en profondeur, etc.
PD Dr. Michael Walther, Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin, Malteserstraße 74-100, Haus C, D-12249 Berlin
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DIE ERDE 130 1999 S. 151 - 172 Regionaler Beitrag
Paläoklima - Geoökologie - Geomorphologie - Höhenstufen
Frank Lehmkuhl (Göttingen)
Rezente und jungpleistozäne Formungs- und Prozeßregionen im Turgen-Kharkhiraa, Mongolischer Altai
Modern and Pleistocene geomorphic regions in the Turgen-Kharikhira Mountains, Mongolian Altay
Les zones géomorphologiques actuelles et pléistocènes dans les montagnes de Turgen-Kharkhiraa, Mongol Altaï
Mit 4 Figuren, 2 Tabellen und 9 Bildern
Höhenstufen der Vegetation und bestimmte geomorphologische Formen und Prozesse, wie beispielsweise die der frostbedingten Formen, können in lokalen Studien und in überregionalen Vergleichen wichtige Hinweise auf
die klimatischen und geoökologischen Verhältnisse von Gebirgsräumen liefern (zuerst Troll 1944). Untersuchungen zum rezenten und vorzeitlichen periglazialen Formenschatz fehlen aus dem Mongolischen Altai bislang
ebenso wie überregionale Vergleiche mit Detailbefunden aus diesem Raum. Die vorzeitliche Verlagerung von Höhenstufen kann Indizien für die Variationen des Klimas u.a. zum Höhepunkt der letzten Kaltzeit oder im
Holozän und damit eine wichtigen Beitrag zur Klimaforschung liefern.
Zusammenfassung: Rezente und jungpleistozäne Formungs- und Prozeßregionen im Turgen-Kharkhiraa, Mongolischer Altai
Im Turgen-Kharkhiraa-Gebirgskomplex, der die südwestliche Umrahmung des Uvs-Nuur-Beckensbildet, läßt sich der rezente hypsometrische Formenwandel wie folgt darstellen: Die höchsten Bereiche sind durch eine
glaziale und nivale Höhenstufe gekennzeichnet; die Gletscher-Schneegrenze kann mit ca. 3500 m angegeben werden. Es folgt ein periglaziales Stockwerk, dessen Untergrenze in etwa 2600m liegt; diskontinuierlicher
Permafrost und Blockgletscher reichen in Schattlagen noch bis 2200m hinab. Die morphodynamischen Prozesse sind unterhalb von 2600 m schwach und beschränken sich auf Frostsprengung des anstehenden Gesteins. Ab
2200 m an der Nordseite und 2400 m an der Südseite des Turgen-Kharkhiraa-Gebirgskomplexes setzt lineare Erosion in den Tiefenlinien ein (Steppenschluchtenlandschaft). Ein unteres morphodynamisches Stockwerk läßt
sich ab 1000 - 1200 m in der Fußstufe des Gebirges diagnostizieren. In diesen semiariden bis ariden Bereichen ist eine intensive Zerschneidung besonders bei Lockersedimenten, aber auch in den Schotterkörpern der
eiszeitlichen Fußflächen festzustellen. Während der letzten Eiszeit war die Gletscherschneegrenze um etwa 600 m auf 3000 / 2900 m abgesenkt. Im eisfreien Gebirgsraum dominierten nivale und periglaziale Prozesse
mit einer Absenkung des Permafrostes um mindestens 1300 m bis in die Beckenregionen hinein. Am Gebirgsrand und in den Becken sind weitflächige Akkumulationen von eiszeitlichen Schwemmfächern und Fußflächen(Bels) formenbestimmend.
Summary: Modern and Pleistocene geomorphic regions in the Turgen-Kharikhira Mountains Mongolian Altay
The geomorphic altitudinal belts in the Turgen-Kharkhiraa, the highest mountain range south-west of the Uvs Nuur catchment area, can be described as follows: A glacier and nivation zone can be found on the
highest mountains at altitudes above 3,000 m. The present ELA occurs at about 3,500 m a.s.l. and the periglacial zone with solifluction can be mapped down to 2,600 m; discontinuous permafrost and rock glaciers
occur on northern slopes down to 2,200 m. The morphological processes below 2,600 m are weak and almost limited to frost shattering of bedrock. Below 2,200 m on the northern flank and 2,400 m at the southern
flank of the Turgen-Kharkhiraa Mountains small gullies cut into the bedrock andslope debris (zone of steppe gullies). In lowermost semiarid and arid areas below 1,200 m fluvial incision is stronger especially in
Quaternary deposits (zone of desert gorges). During the Pleistocene, ELAs during the last glaciation were 600 m lower than at present and can be determinated at 2900 / 3000 m a.s.l. In the ice free areas
nivation and periglacial processes dominated. The boundary of permafrost was at least 1300 m lower than today and reached the basin of the Uvs Nuur. At the mountain margins large alluvial fans and fanglomerates were deposited.
Résumé: Les zones géomorphologiques actuelles et pléistocènes dans les montagnes de Turgen-Kharkhiraa, Mongol Altaï
Le massif des Turgen-Kharkhiraa, massif le plus élevé situé au sud-ouest du bassin de Uvs-Nuur, présente l’étagement géomorphologique suivant. L’étage nival et glaciaire s’étend autour des plus
hauts sommets, la ligne d’équilibre glaciaire actuelle se situant à environ 3500 m. L’étage périglaciaire, caractérisé par la solifluxion, descend jusqu’à 2600 m mais, en exposition nord, le
pergélisol discontinu et les glaciers rocheux descendent jusqu’à 2200 m. En dessous de 2600 m, les processus géomorphologiques sont peu efficaces et la gélifraction reste encore importante. En dessous de
2200 m en versant nord et de 2400 m en versant sud apparaissent de petits ravinements qui entaillent substrat ou colluvions (étage steppique des ravines). En dessous de 1200 m s’étendent les secteurs
arides et semi-arides où l’incision des rivières, en particulier dans les dépôts quaternaires, devient importante (l’étage des gorges désertiques). Pendant le Pléistocène, la ligne d’équilibre
glaciaire de la dernière glaciation se trouvait 600 m au dessous de la ligne d’équilibre actuelle, i.e. au tour de 2900-3000 m. Dans les zones non englacées, les processus niveaux et périglaciaires
dominaient. La limite inférieure du pergélisol se trouvait au moins 1300 m au dessous de la limite actuelle et débordait dans le basin des Uvs-Nuur. C’est au cours de cette période que ce sont accumulés au
pied des montagnes de vastes cônes alluviaux ou détritiques.
Prof. Dr. Frank Lehmkuhl, Geographisches Institut d. Univ. Göttingen, Goldschmidtstr. 5, D-37077 Göttingen
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DIE ERDE 130 1999 S. 173 - 188 Regionaler Beitrag
Bestandstypen - Multivariate Analysen - Pflanzengesellschaften - Regenerationsdynamik
Martin Sommer und Uwe Treter (Erlangen)
Die Lärchenwälder der Gebirgswaldsteppe in den Randgebirgen des Uvs Nuur-Beckens
Larch forests of the woodland steppe in the mountains bordering the Uvs Nuur basin
Résumé: Les forêts de mélèzes de la steppe boisée montagneuse dans les montagnes limitrophes du basin d'Uvs Nuur
Mit 5 Figuren und 2 Bildern
Die Lärchenwälder der Randgebirge des Uvs Nuur-Beckens im Nordwesten der Mongolei sind in derHöhenstufe zwischen 1 400 - 2 500 m ein landschaftsprägendes Element der Gebirgswaldsteppe. Mit
dendrochronologischen und dendroökologischen Methoden werden in diesen Lärchenwäldern charakteristische Parameter zur Kennzeichnung ihrer Alters- und Bestandsstruktur erhoben und daraus fünf Bestandstypen
abgeleitet. Aus ihren spezifischen Altersklassenverteilungen und Bestandsdichten ergeben sich eindeutige Hinweise auf die Bestands- und Regenerationsdynamik während der letzten 400 Jahre, die u.a. in der
Verdichtung und Ausdehnung der Wälder sichtbar wird. Auf der Grundlage von pflanzensoziologischen Aufnahmen werden 11 Pflanzengesellschaften klassifiziert, mit Hilfe multivariater Analyseverfahren ökologisch
charakterisiert und hygrisch und thermisch definierten Umweltgradienten zugeordnet. Unmittelbare Beziehungen zwischen den Bestandstypen und Pflanzengesellschaften sind nur schwach ausgeprägt. Analysen der
floristischen Ähnlichkeit der Pflanzengesellschaften führen zu neuen Erkenntnissen der verwandtschaftlichen Beziehungen der ‘typischen’ Waldgesellschaften untereinander und zur umgebenden
Steppenvegetation.
Zusammenfassung: Die Lärchenwälder der Gebirgswaldsteppe in den Randgebieten des Uvs Nuur-Beckens
In der Gebirgswaldsteppe im Nordwesten der Mongolei in den Gebirgen Turgen-Kharkhiraa und Chan Chochin wurden in den Jahren 1995 bis 1997 Untersuchungen zu den Bestands- und Vegetationsstrukturen, der
Wachstumsdynamik und den Böden der dort stockenden Lärchenwälder durchgeführt. Daraus konnten eine strukturelle und eine pflanzensoziologische Typisierung der Lärchenwälder vorgenommen und umfangreiche
Kenntnisse über die Bestandsdynamik gewonnen werden. Die Wälder wurden in fünf Bestandsstrukturtypen zusammengefaßt, für die unterschiedlich lange und in der Regel nicht synchrone Regenerationslücken
charakteristisch sind. Gemeinsam ist allen Bestandstypen lediglich eine deutliche Verjüngungsphase in den letzten 50 Jahren und eine Ausdehnung der unteren, oberen und seitlichen Waldgrenzen in die Steppen
hinein. Für die Regenerationslücken konnten Feuer, unterschiedliche Beweidungsintensität und regional verschiedene Klimabedingungen als Ursachen wahrscheinlich gemacht werden. Für die Verdichtung und
Ausdehnung der Wälder in jüngerer Zeit ist möglicherweise einerseits das weltweite Temperaturoptimum zwischen 1930 und 1960, andererseits auch nachlassende Beweidung verantwortlich. Anhand der
Vegetationsaufnahmen konnten 11 Vegetationstypen klassifiziert werden, die nach rechnergestützter multivariater Analyse ökologisch interpretiert wurden. Im ‘ökologischen’ Zentrum stehen mehrere nah
verwandte Gesellschaften, während sich an den trockeneren Waldrändern und auf feuchten Standorten im Gebirgsinnern von den zentralen Typen deutlich getrennte Einheiten finden. Es konnten auch Sonderstandorte mit
extrazonaler Vegetation ausgegliedert werden. Korrelationen zwischen den Alters- und Bestandsstrukturen einerseits und den Vegetationseinheiten andererseits existieren kaum. Dagegen zeigt sich eine beachtliche
floristische Ähnlichkeit zwischen den Wiesensteppen und unmittelbar benachbarten Wäldern. Wälder auf ähnlichen Standorten in voneinander entfernten Gebieten sind floristisch weniger verwandt. Für dieses Phänomen
werden als Ursachen die Offenheit der Wälder und die gleiche Nutzung von Wiesen und Wäldern (Beweidung) angesehen.
Summary: Larch forests of the woodland steppe in the mountains bordering the Uvs Nuur basin
In the woodland steppe of the Turgen-Kharkhiraa and Chan Chochin mountains of north-west Mongolia, detailed studies of stand and vegetation structure, growth dynamics, and soils of the local larch wood land have
been carried out during the 1995 -1997 period. On the basis of these studies, it has been possible to carry out a structural and plant sociological characterisation of the larch forests and gain extensive
knowledge of the stand dynamics. The woodland was divided into five types of stand structure, characterised by typically non-synchronous regeneration gaps of different length. A common feature of all stand types
is merely a marked rejuvenation phase in the last 50 years and an expansion of the lower, upper, and side margins of the woodland into the adjacent steppe. Fire, varying grazing intensity, and regionally varying
climatic conditions were identified as the possible causes of the regeneration gaps. The factors most likely to be responsible for the increase in density and the expansion of the woodland in recent times are
the global temperature optimum between 1930 and 1960 and a reduction in grazing. Based on the vegetation records, it was possible to classify 11 vegetation types. These data were then interpreted ecologically
using computer-based multivariate analysis. In the ‘ecological’ centre, various closely related communities exist, whereas the units that are to be found in the dryer woodland margins and at moist
locations in the interior of the mountain ranges differ markedly from the central community types. It was also possible to distinguish special sites with extrazonal vegetation. Age and stand structure are only
weakly correlated to vegetation units. There exists, however, a marked similarity between the meadow-steppe and the adjacent forests. Forests occurring at similar sites but in areas a long distance apart are
floristically less similar. The open nature of the woodland and the similar use of the meadows and woodlands (grazing) are seen as the cause of this phenomenon.
Résumé: Les forêts de mélèzes de la steppe boisée montagneuse dans les montagnes limitrophes du basin d'Uvs Nuur
De 1995 à 1997, des études détaillées ont été faites sur les forêts de mélèzes qui poussent dans les montagnes du Turgen-Kharkhiraa et du Chan Chochin de la steppe boisée montagneuse du nord ouest de la Mongolie.
Ces études portent sur leurs structures de végétation et de peuplement forestier, leur dynamique de croissance et leur nature du sol. Elles ont permis de déterminer les types de forêts de mélèzes d’après
leur structure et leur phytosociologie ainsi que d’obtenir d’amples connaissances sur leur dynamique de peuplement. Les forêts furent regroupées en cinq catégories de types de durée variable et qui,
en général, apparaît de façon asynchrone. Ce qu’il y a de commun entre tous les types de peuplement forestier, c’est une phase de rajeunissement dans les dernières 50 années et une extension des
lisières latérales des forêts, supérieures et inférieures à l’intérieur des steppes. Les incendies, une intensité de pacage variable et des conditions de climat variantes d’une région à l’autre
sont probablement les causes de ces interruptions de régénération. Comme éléments possibles responsables de la densification et de l’extension des forêts ces dernières années, on compte, d’une part,
la température optimum mondiale entre les années 1930 et 1960 et, de l’autre, une diminution du pacage. A l’aide des relevés des plantes, nous avons classifié 11 variétés de types de végétation qui
d’après une analyse multivariable basée sur ordinateur ont été interprétées écologiquement. Dans le ”centre écologique” on retrouve plusieurs communautés apparentées tandis qu’en lisières
des forêts sèches et dans des emplacements humides à l’intérieur des montagnes, on retrouve des unités qui diffèrent amplement des types principaux. Nous avons pu isoler des habitats spéciaux munis
d’une végétation extrazonale. Les corrélations entre, d’une part, les structures d’âge et les structures de peuplement et, d’autre part, des unités de végétation sont à peine existantes.
On retrouve par contre une ressemblance florale considérable entre les prairies et celles des forêts avoisinantes. Les forêts à sites semblables dans les régions éloignées les unes des autres montrent moins de
similitudes florales. L’explication de ce phénomène semble être l’ouverture des forêts et la même utilisation des prairies et des forêts comme endroit de pacage.
Dipl.Biol. Martin Sommer und Prof. Dr. Uwe Treter, Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg, Kochstraße 4/4, D-91054 Erlangen
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