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Heft 1/2000
Gerrit Köster (Aachen)
Integration durch Partizipation. Die Rolle staatlicher und nicht-staatlicher Institutionen bei der Integration der Bewohner marginaler Stadtviertel
In der Diskussion um die Globalisierung gerät der Blick für die Potentiale, die in kleineren räumlichen Einheiten bis hin auf die Stadtviertelebene stecken, oft
in den Hintergrund. In der Möglichkeit, das hier bestehende ‘Sozialkapital’ zu fördern und durch die Schaffung funktionsfähiger Netzwerke unter Einschluß lokaler Organisationen und Behörden in Wert zu
setzen, liegt aber der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung. Seit der Verabschiedung des Brundtland-Reports (1987) und der Konferenz von Rio de Janeiro (1992) ist dieser Themenkomplex in allgemeiner Form
interdisziplinär erörtert worden. Dagegen fehlen Beiträge, die zeigen, wie die entwicklungspolitischen Ideen in der Praxis umgesetzt und bewertet werden können. Im Sinne einer angewandten Geographie stellt der
folgende Beitrag Wege vor, wie dieses Ziel zu erreichen ist und welche Konsequenzen sich auch für die Geberländer bei der Anwendung einer partizipativen Entwicklungsstrategie ergeben.
Zusammenfassung: Integration durch Partizipation. Die Rolle staatlicher und nicht-staatlicher Institutionen bei der Integration der Bewohner marginaler
Stadtviertel
Seit Mitte der 1970er Jahre hat ein Umden-kungsprozeß in der deutschen Entwicklungs-zusammenarbeit stattgefunden: Von der Vorrangstellung (national-)
wirtschaftlicher Interessen hat sich das Augenmerk stärker auf die ärmere Bevölkerung gerichtet mit dem Ziel, sie in den (städtischen) Entwicklungsprozeß zu integrieren und deren Lebenssituation im Sinne einer
gerechteren Verteilung der Mittel nachhaltig zu verbessern. Als Schlüssel wird dabei die Anwendung eines partizipativen Ansatzes gesehen, der weniger die körperlichen als die organisatorischen und sozialen
Kompetenzen der Bewohnerschaft nutzt (‘Sozialkapital’). Das Fallbeispiel aus Córdoba zeigt, daß die Bewohner marginaler Viertel über sehr vielfältige Fähigkeiten verfügen, die es ihnen erlauben, auch
Planung, Durchführung und Verwaltung ihrer Projekte unter Einschluß aller notwendigen Entscheidungen in ihre eigene Hand zu nehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß man die Bewohner auch agieren läßt. Deshalb
müssen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gleichzeitig auch kommunale und nicht-staatliche Hilfsorganisationen vor Ort für die Bedürfnisse und Kompetenzen der Barriobewohner sensibilisiert werden. Dieses
Vorgehen auf mehreren Ebenen hat auch entscheidende Auswirkungen auf die Geberländer und ihre staatlichen und nicht-staatlichen Hilfsinstitutionen. Ihren jeweils spezifischen Arbeitsansätzen entsprechend sind auch
sie im Sinne eines komplementären Vorgehens in ihren Aktionen aufeinander abzustimmen. Die Arbeit der ‘Gemeinsamen Arbeitsgruppe’ zeigt, daß sowohl das Problem gegenseitiger Abstimmung als auch die
Schwierigkeit der Erfolgskontrolle in den Projekten (wie messe ich Partizipation?) gelöst werden kann.
Summary: Integration by participation. The role of government and non-government institutions integrating the habitants of marginalized quarters
Since the 1970s a change has taken place in the concept of German international co-operation. The predominance of (national)economic interests has diminished in
favour of a more intensive consideration of the marginalized population with the aim of incorporating them into urban development and improving the sustainability of their living conditions. The application of a
participatory approach is estimated to be the key in gaining this aim, focusing on the use of people’s social and organisational capabilities more than on their physical labour. The example of Córdoba
illustrates that the barrio’s inhabitants dispose of enormous capacities which allow them to plan, to organise, to administrate their projects and to make all decisions alone – on the premise that local
institutions permit them to act. Therefore international co-operation has to sensitize governmental and non-governmental institutions of the South too. This approach on different levels has decisive influences on
the donating institutions of the North. According to their specific possibilities they have to harmonise their actions in a complementary proceeding. The endurance and vitality of the German ‘Common Group of
International Co-operation’ demonstrates that the problems resulting from the necessity to agree upon activities and the difficulties of measuring ‘participation’ (instead of counting houses
built during a project) can be resolved.
Résumé: Intégration par participation. Le rôle des institutions gouvernementales et non-gouvernementales pour l’intégration des habitants de quartiers
marginalisés
Depuis les années 1970 on constate un changement du concept de coopération internationale allemande : La prédominance des intérêts économiques (nationaux)
fait place a une considération plus intensive de la population marginalisée ayant comme but de l’intégrer au développement urbain et d’améliorer durablement ses conditions de vie. On est convaincu que
l’application d’un concept de participation qui ne vise pas tellement au travail corporel sinon aux compétences sociales et d’organisation de la population est le clé pour atteindre ce but.
L’exemple décrit montre, que les habitants du quartier décrit a Córdoba disposent d’énormes capacités qui leur permettent de planifier, d’organiser et d’administrer ses projets et de prendre
toutes les décisions nécessaires tous seuls – a condition qu’on les laisse agir. C’est pourquoi il faut sensibiliser – dans le cadre de la coopération internationale – de même les
organisations gouvernementales et non-gouvernementales du sud pour les besoins et les compétences existantes dans la population. Cet accès a plusieurs niveaux a des conséquences considérables pour les instituions
des pays donateurs : Selon leurs possibilités spécifiques ils doivent – au sens d’une action complémentaire – se mettre d’accord entre eux dans ses activités. La persistance et le
travail du «Groupe commun de coopération internationale» allemand montrent que les problèmes que amènent la nécessité de s’accorder ainsi que les difficultés de devoir mesurer p.ex. la
« participation » (au lieu du numéro de maisons construites au cours d’un projet) peuvent être résolus.
Prof. Dr. Gerrit Köster, Auf Beverau 21, D-52066 Aachen
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