DIE ERDE
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde

In eigener Sache

DIE ERDE - mit einem neuen Profil in das neue Jahrtausend

DIE ERDE ist die älteste deutschsprachige Fachzeitschrift der Geographie. 1834 als Organ der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin begründet, erhielt sie 1949 ihren bis heute gültigen Namen: DIE ERDE, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin.

In den 166 Jahren seit ihrer Gründung hat DIE ERDE mit den Beiträgen führender Fachvertreter aus dem In- und Ausland den Erkenntnisfortschritt der deutschsprachigen Geographie begleitet und dazu beigetragen, den guten Ruf der deutschen Geographie in der Welt zu festigen. Es war u.a. das Verdienst der ERDE, daß es lange Zeit unumgänglich war, Deutsch lesen zu können, um die wissenschaftliche Diskussion an der Forschungsfront verfolgen zu können. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Englisch als Wissenschaftssprache durchgesetzt. Zwar gehen nach wie vor zwei Drittel der Auflage der ERDE ins Ausland, doch werden die innovativen Erkenntnisse deutscher Wissenschaftler, wenn sie ausschließlich in deutschsprachigen Journalen veröffentlicht werden, international kaum noch wahrgenommen.

Eine zweite Entwicklung schmälert die Bedeutung der Geographie in Deutschland. Es ist der Trend zur Spezialisierung, der nicht nur die Geographie erfaßt hat, dort aber zu einer gewissen Aushöhlung des Kerns des Faches geführt hat. Neue Erkenntnisse werden vielfach an Forschungsfronten gewonnen, die sich im Gefüge der Wissenschaften mehr an den Nachbardisziplinen des Faches orientieren als an den Kernfragen einer originär synthetisch und integrativ ausgerichteten Disziplin. Einer komplexer werdenden Welt kann man durch Spezialisierung immer weniger begegnen. Stattdessen werden systemische, synthetische und integrativ vernetzte Forschungsansätze verlangt. Der Bedeutungszuwachs interdisziplinärer Forschung belegt diese Erkenntnis. Die Geographie ist aufgrund ihrer Positionierung im Schnittfeld von Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaft eine originär interdisziplinär arbeitende Wissenschaft, deren Stärke auch darin liegt, sich im Methoden- und Theorienspektrum der Forschung jeweils spezifisch zu orientieren. DIE ERDE ist in der Tradition Alexander von Humboldts daher das Fachorgan, das den systemischen und/oder integrativ regionalgeographischen Ansatz seiner Bedeutung in der gegenwärtigen Zeitsituation entsprechend verstärken kann.

Diese beiden Gesichtspunkte - die Anpassung an die englische Wissenschaftssprache und die Notwendigkeit, integrativ-synthetische Ansätze zu verfolgen - sind es, die die Herausgeber der ERDE bewogen haben, das Profil der Zeitschrift in dieser Richtung zu schärfen. Dies soll mit dem Jahrgang 2001, dem ersten Jahrgang im neuen Millennium, geschehen. Es entspricht der Tradition der ERDE, daß dies nicht in Form einer neuen Verpackung (Titelbild, Layout) erfolgt, sondern in der behutsamen Umorientierung der Konzeption.

 

Das neue Profil der ERDE

Ein Forum für Erdsystem- und Erdraumforschung

Ab dem Jahrgang 2001 signalisiert der Untertitel ‘Forum für Erdsystem- und Erdraumforschung’ die neue Positionierung der Zeitschrift. Damit soll verdeutlicht werden, daß Fachkollegen in der ERDE vor allem solche Artikel oder Themenhefte finden, die einer systemischen, integrativen, synthetischen oder vernetzten Problemsicht folgen. Erdsystemforschung bezieht sich auf Themen, in denen ein globales oder regionales System oder ein systemisch zu erforschendes Problem (z.B. Desertifikation, Nahrungsspielraum, Naturgefahren, Metropolisierung, ‘Global Change’) untersucht wird. Erdraumforschung bezieht sich demgegenüber auf die integrative regionalgeographische Forschung in definierten Erdräumen (z.B. Südostasien, Andenländer, Orient, Brasilien). Hierzu wird pro Jahrgang mindestens jeweils ein Themenheft erscheinen, das mit einem State-of-the-Art-Artikel des Moderators eingeleitet wird.

Solche Themenhefte beinhalten die Gefahr, daß der Moderator nur bekannte Wissenschaftler zur Mitarbeit einlädt. Es soll daher auch in Zukunft darauf geachtet werden, den wissenschaftlichen Nachwuchs um Beiträge zu bitten. Variahefte, in denen junge Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Forschung vorstellen, wird es daher auch in Zukunft geben. So sind Doktoranden und Habilitanden nach wie vor aufgefordert, der ERDE ihre Beiträge zu übersenden. Sie finden in der neuen ERDE, wie im folgenden ausgeführt wird, ein Tor zur internationalen wissenschaftlichen Diskussion. Auch den Variaheften wird ein Editorial vorangestellt, das in der Regel von einem der Herausgeber übernommen wird. Es stellt die im Heft publizierten Artikel vor und begründet die Auswahl der Beiträge eines Heftes.


Ein Forum für Geographen aus dem deutschen Sprachraum für die internationale scientific community

Mit dem Jahrgang 2001 wird eine zweite Neuerung in der ERDE eingeführt Die meisten Beiträge werden künftig in Englisch publiziert. Die ausführlichen Summaries, die zweisprachige Bezeichnung aller Abbildungen und das französische Resumé, werden beibehalten. DIE ERDE wird somit zum gateway zur internationalen scientific community für deutschsprachige Wissenschaftler. Sie ist auch ein Diskussionsforum deutscher und nicht-deutschsprachiger Forscher, da es nun ausländischen Kollegen über die englische Sprache möglich ist, sich in stärkerer Weise an der mitteleuropäischen wissenschaftlichen Diskussion zu beteiligen.

Mit dem einleitenden ‘State-of-the-Art-Artikel’ hat der Moderator die Möglichkeit, die Ergebnisse der deutschsprachigen Fachliteratur nicht nur in den internationalen Rahmen zu stellen, sondern auch das internationale Publikum auf deutschsprachige Arbeiten und ihre Ergebnisse hinzuweisen. Dadurch leistet DIE ERDE einen Beitrag zur Imagewerbung und Hebung des internationalen Bekanntheitsgrades für die deutschsprachige Geographie.

Im Unterschied zu den State-of-the-Art-Artikeln amerikanischer Journale profilieren sich die ERDE-Beiträge durch die Einbeziehung nicht-englischsprachiger Autoren. Neben dem Englischen haben sich als Wissenschaftssprachen nur noch das Französische, Spanische, Portugiesische, Deutsche und das Russische gehalten, wobei die deutsche Sprache vor allem in Osteuropa, aber auch in Japan noch einen hohen Stellenwert hat. Die in diesen Sprachen verfaßten innovativen Forschungsergebnisse werden, sofern möglich, in den State-of-the-Art-Artikel einbezogen. DIE ERDE erfüllt damit auch eine interkulturelle Funktion und trägt zur Überwindung der Westeuropa- oder Amerikazentriertheit der Wissenschaft bei. Diesem Ziel dienen auch die französischen Resumés, denen bei entsprechender regionaler Ausrichtung spanische, portugiesische oder russische Zusammenfassungen zugesellt werden.

Für den internationalen Leserkreis, der an der Pflege der deutschen Sprache Interesse hat, werden der ERDE einmal im Jahr die ‘Verhandlungen’ beigefügt, die in Zukunft auch wissenschaftliche Beiträge, z.B. Manuskripte der in der Gesellschaft für Erdkunde gehaltenen Vorträge, enthalten. Diese Verhandlungen gehen an alle Mitglieder der Gesellschaft sowie an die Abonnenten und Tauschpartner.

Die Internetpräsenz der ERDE wird weiter verstärkt. Die Website der ERDE enthält u.a. die Zusammenfassungen der Beiträge in deutscher, englischer und französischer bzw. bei relevanten Aufsätzen in spanischer, portugiesischer oder russischer Sprache, um den Zitationsgrad der Zeitschrift zu erhöhen.